Der Preis ist heiß

Unsere Lebensmittel müssen frisch, nahrhaft, qualitativ hochwertig und möglichst regional sein. So zumindest ist der Anspruch sehr vieler, wenn sie durch die Supermarktgänge schlendern. Fast ebenso schnell sind die Vorsätze jedoch vergessen, kommt es zum Preis dieser Lebensmittel. Quantität steht in diesem Fall eben doch vor Qualität.

Photo by Matthias Zomer on Pexels.com

Besonders in der Fleischindustrie sind die Diskussionen über angemessene Preise in letzter Zeit wieder aufgeflammt, nachdem Landwirtschaftsministerin Klöckner den Kastenstand für Sauen mit einer Übergangsfrist von acht Jahren verboten hat. Damit müssen Landwirte nun eine Lösung finden, den Sauen mehr Platz zu ermöglichen, jedoch gleichzeitig ihre wirtschaftlichen Interessen im Hinterkopf behalten, um überleben zu können. Mehr Platz für die Tiere im Stall ist meist gleichbedeutend damit, den Bestand insgesamt zu verringern, mehr Ausgaben für den Umbau gehen also einher mit einem Verlust der Einnahmen aus dem Verkauf der Tiere. Dass dies für die Landwirte nicht gerade erfreulich ist, kann man sich denken.

Nun wäre eine Anhebung des Preises auf tierische Erzeugnisse wie Fleisch, Milch, Käse oder Eier eine Lösung, die im ersten Moment auf der Hand liegt und fair erscheint. Gleichzeitig werden jedoch Stimmen laut, dass sich Geringverdiener diese Lebensmittel dann nicht mehr unbedingt leisten können. Hinzu kommt: Wie viel käme bei einer Preissteigerung tatsächlich beim Landwirt an? Ähnlich wie in der Milchindustrie haben Bauern wenig bis überhaupt keinen Einfluss auf die Preise, die in den Supermärkten verlangt werden und die sie schlussendlich für ihre Erzeugnisse erhalten. Sie sind abhängig davon, wie viel der Verarbeiter, der wahlweise die Salami verpackt oder den Joghurt aus der frischen Milch herstellt, ihnen bietet. Unzählige Demonstrationen gegen die niedrigen Milchpreise in der Vergangenheit haben gezeigt, dass sich die Bauern in einer unausweichlich schlechten Lage befinden, meist weniger einnehmen als sie mit Aufzucht und Mast der Tiere ausgeben müssen.

Die Landwirte sollten nicht den Schaden jahrelanger Miss-Subventionen riesiger Mastbetriebe davontragen, wo es in Zukunft darum gehen wird, die kleinen und mittleren Betriebe zu erhalten, um zumindest ein Mindestmaß an Tierwohl gewährleisten zu können. Man braucht keine tierischen Erzeugnisse, um sich gesund und ausgewogen ernähren zu können, es sollte jedoch jedem die Wahl gelassen werden. Es sollte nur keine Wahl sein, ob dem Landwirt sein erarbeitetes Geld zugestanden wird, um den Tieren, die später in welcher Form auch immer auf dem Teller landen, ein erträgliches Leben zu bereiten.

Published by annikapolis

Politik- und Ethnologiestudentin aus den Bergen in der Großstadt auf der Suche nach dem Journalismus

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