Die Hafermilch-Krise

In den letzten Tagen hatte es Oatly, ein marktführender Hersteller von Hafermilch, veganem Joghurt und anderen veganen Milchalternativen wegen eines Shitstorms in die Nachrichten geschafft. Nachdem publik wurde, dass das Unternehmen 10% seiner Firmenanteile an den Großinvestor Blackstone verkauft hatte, wurde in den sozialen Medien laut zum Boykott der beliebten Hafermilch aufgerufen. Doch verliert man hier schnell die Fakten aus dem Blick und wiegt mit zweierlei Maß.

© oatly.de

Oatly verkauft sich als trendy, umweltbewusst und weltverbessernd. Die wirklich geschickt platzierten und getexteten Werbesprüche sollen vor allem Milennials begeistern, zusätzliche Aktionen wie eine Unterschriftensammlung zur Verpflichtung eines Labels über den Treibhausaustoß auf Lebensmitteln tut dazu ihr Übriges. Doch auch unter Kaffeeliebhabern ist die Milchalternative sehr beliebt, da sie sich, anders als Soja- oder Mandelmilch, wunderbar aufschäumen und somit auch für Cappuccino oder Latte Macchiato verwenden lässt. Nun ist das Unternehmen aber wegen des Verkaufs der Firmenanteile an Blackstone in den letzten Tagen sehr in Verruf geraten. Der Chef von Blackstone, ein ausgewiesener Trump-Fan, soll dem amtierenden US-Präsidenten drei Millionen Dollar für den Wahlkampf gespendet haben. Auch finden sich im Firmen-Portfolio von Blackstone einige Unternehmen, die unter anderem für die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes verantwortlich sind.

Dies stellt die tatsächlichen guten Absichten Oatlys, für eine nachhaltigere Welt einzutreten, natürlich sehr in Frage. Erst im Juli wurde das Unternehmen mit etwa 1,75 Milliarden Dollar bewertet, was einige Prominente wie Oprah Winfrey, Natalie Portman und auch Jay-Z dazu brachte, Anteile an dem Unternehmen zu erwerben. Während des Shitstorm der letzten Tage kam außerdem zu Tage, dass Oatly 30% seiner Firmenanteile an einen chinesischen Großkonzern verkauft habe, eigenen Angaben in der Pressemitteilung zufolge deshalb, um in den chinesischen Markt einsteigen zu können. Viele ehemalige Fans des Hafermilchproduzenten werfen Oatly nun vor, die eigene Seele und das eigene Nachhaltigkeitskonzept aus Profitgier verkauft zu haben.

© oatly.de

Schaut man sich die Sache jedoch genauer an, fällt auf, dass Oatly bereits 2016 von einem Joint-Venture des belgischen Lebensmittelinvestors Verlinvest und des chinesischen Staatskonzerns China Resources übernommen worden war. Dies ist gängige Praxis für Unternehmen, um auf dem chinesischen Markt und damit dem asiatischen Kontinent Fuß fassen zu können, da Unternehmen ohne chinesische Beteiligung keinen Zugang zum dortigen Markt haben. Auf den Lebensmittelinvestor Verlinvest entfallen somit mindestens 21% Firmenanteile Oatlys, die schwedische Geschäftsführung ist also bereits seit 2016 nicht mehr im vollen Besitz des Unternehmens. Um nun weiter zu wachsen, ist ein Anteilsverkauf an einen der größten Investoren der Welt, Blackstone, also nur ein weiterer Schritt, ein weltweit agierendes, konkurrenzfähiges Unternehmen zu sein.

Natürlich kann man sich nun die Frage stellen, inwiefern die Werbekampagnen von Oatly unter diesen Gesichtspunkten noch authentisch waren und ob ein Unternehmen, welches agiert wie seine großen Konkurrenten, noch ein umsetzbares und glaubwürdiges Nachhaltigkeitskonzept verfolgen kann. Jedoch sollte man im Blick behalten, dass allein die Herstellung von Hafermilch einen sehr viel kleineren ökologischen Fußabdruck hat als herkömmliche Milch und für den Anbau von Hafer muss kein Regenwald abgeholzt werden. Jeder, der außerdem nun Oatly meiden möchte, da Blackstone automatisch daran mitverdient, sollte sich zudem bewusst sein, dass Unternehmen wie HelloFresh, Lieferando und Apple ebenso Firmenanteile an Blackstone verkauft haben. Ob man nun rein auf regionale Lebensmittel und damit auch auf regional hergestellte Hafermilch setzt oder seine Lebensmittel nach wie vor im Supermarktregal holt, ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen. Ein Boykott der ganzen Marke Oatly scheint jedoch erst wirklich sinnvoll, sollten die Eigentümer einen Verkauf an Lebensmittelgiganten wie Nestlé oder Unilever anstreben.

Published by annikapolis

Politik- und Ethnologiestudentin aus den Bergen in der Großstadt auf der Suche nach dem Journalismus

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: