Wie viel Extremismus darfs sein?

In Nordrhein-Westfalen wurde ein rechtsextremer Chat mit 29 teilnehmenden Polizisten und Polizistinnen aufgedeckt. Mal wieder. Alle Polizisten und Polizistinnen, die aus diesem Chat ermittelt werden konnten, wurden vom Dienst suspendiert und es wurden Disziplinarmaßnahmen gegen sie eingeleitet. Doch das ist nicht genug, um dem Grund dieses Übels auf die Schliche zu kommen.

Photo by Daria Sannikova on Pexels.com

Innenminister Seehofer sieht in der deutschen Polizei kein strukturelles Rassismusproblem und augenscheinlich keinen Handlungsbedarf, gegen Rassisten in den Reihen der Polizei vorzugehen. Diese Rassisten sind es aber, die den Berufsstand des Polizisten und der Polizistin in Verruf bringen. Wer bei der Polizei arbeitet, ist nicht automatisch rechtsextrem oder ein Rassist, doch durch die sich häufenden Fälle von einzelnen rechtsextremen Gruppen innerhalb der Polizei kann man leicht auf den Gedanken kommen, dass etwas im Argen liegt. Um effektiv dagegen vorgehen zu können und alle Polizisten und Polizistinnen von einem Generalverdacht zu befreien, wäre eine Studie zur Entstehung von Rechtsextremismus in öffentlichen Berufen mehr als angebracht.

Es verwundert nicht, dass Menschen, die Rassismus erfahren oder Opfer rassistischer Übergriffe geworden sind, sich nicht mehr unbedingt an die Polizei wenden wollen. Sie können sich nicht sicher sein, dass ihre Anliegen tatsächlich ernst genommen werden oder ihre Daten in dubiosen rechtsextremen Chatgruppen auftauchen. Natürlich stellt das Polizisten und Polizistinnen unter Generalverdacht, doch tritt ein solcher Fall tatsächlich ein, fühlen sich die Opfer, die rassistische Taten zur Anzeige bringen, nur darin bestätigt, dass die Polizei ein strukturelles Problem hat.

Photo by Lauro Rocha on Pexels.com

Die Arbeit von Polizisten und Polizistinnen ist ein Knochenjob, den man mit Leidenschaft und Hingabe ausführen muss. Die meisten sind weder rechtsextrem noch rassistisch und haben es nicht verdient, unter einen generellen Verdacht gestellt zu werden. Es ist jedoch die Aufgabe der Regierung, besonders von Innenminister Seehofer, endlich damit aufzuräumen und eine weitläufige Studie zu den Ursachen rechtsextremer Tendenzen zuzulassen und Pläne ins Leben zu rufen, dem strukturellen Rassismus, der ohne jeden Zweifel vorhanden ist und bekämpft werden muss, Einhalt zu gebieten. Nur so können sowohl Menschen mit Erfahrung rassistischer Gewalt, auch vonseiten der Polizei, und Polizisten wieder aufeinander zugehen und das Gewaltmonopol des Staates kann wieder den Status erreichen, der seit einiger Zeit sehr im Wanken ist.

Published by annikapolis

Politik- und Ethnologiestudentin aus den Bergen in der Großstadt auf der Suche nach dem Journalismus

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

<span>%d</span> bloggers like this: