Im Namen des Terrors

Als ob das Jahr 2020 nicht schon genug zu bieten hätte, sind gestern direkt zwei jihadistische Anschläge verübt worden. In der Wiener Innenstadt wurden vier Menschen erschossen, unter anderem auch einer der Attentäter. Zugleich haben in Kabul drei Attentäter den Universitäts-Campus gestürmt, wo ein Sprengstoff gezündet wurde. Dabei wurden mindestens 50 Menschen getötet.

Bildquelle: dpa

In sozialen Medien und auch Nachrichten ist der Anschlag in Wien bei vielen präsenter als der in Kabul, Österreich liegt einfach näher als Afghanistan. Doch nur weil Österreich der westlichen Mentalität wohl nähersteht als Afghanistan, sind Anschläge dort nicht weniger grausam, im Gegenteil. Sie zeigen deutlich ein Problem auf, welches sich mit jedem jihadistischen Anschlag deutlicher abzeichnet: Muslim*innen sind nicht nötigerweise immer unter den Getöteten, doch sind sie immer Opfer solcher Anschläge. Es wird von ihnen erwartet, sich von Anschlägen zu distanzieren, die angeblich im Namen ihres Glaubens geführt wurden. Doch lediglich die Worte „Allahu Akbar“ zur rufen, bevor die Waffe abgefeuert wird, macht einen nicht zu einem gläubigen Muslim. Beschäftigt man sich nur etwas näher mit der Logik hinter Vereinigungen wie dem Islamischen Staat oder Al-Qaida, wird sehr schnell klar, dass diese Ideologien mit dem Islam so gut wie nichts zu tun haben. Der Islam wird als Grundlage und Ausrede genutzt, im Namen des Glaubens Massaker durchzuführen. Es entbehrt jedoch jeglicher tatsächlichen religiösen Grundlage, das Ziel dieser Organisationen ist lediglich, Hass und Spaltung innerhalb freiheitlicher, solidarischer Gesellschaften voranzutreiben. Warum also sollten sich Muslim*innen für etwas rechtfertigen, für das sie und ihre Religion nicht stehen, was ihre Religion nicht vertritt?

Mit jedem jihadistischen Anschlag wird der Graben zwischen Muslim*innen und denen, die Glauben und Terror nicht voneinander unterscheiden können, immer größer. Das spielt dem IS und Co direkt in die Hände. Mit jedem Getöteten stirbt ein Stück der eigentlich so freien und solidarischen Gesellschaft, in der wir leben dürfen. Mit jedem Getöteten bekommen Rechtsextreme und Rechtspopulisten mehr Aufwind und die Spaltung der Gesellschaft geht immer weiter voran. Doch Angst, Hass und Spaltung darf nicht unseren Alltag bestimmen. Dagegen kann nur gemeinsam angegangen werden, gleichgültig, welcher Ethnie, Kultur, Religion oder Sexualität man sich zugehörig fühlt. Eine offene pluralistische Gesellschaft besteht aus Diskursen und Diskussionen, doch Spaltung und Hetze sind ein Gift, welches mit allen Mitteln bekämpft werden muss.

Published by annikapolis

Politik- und Ethnologiestudentin aus den Bergen in der Großstadt auf der Suche nach dem Journalismus

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